ProRes RAW auf dem iPhone: Wer das wirklich braucht
Apple bringt ProRes RAW aufs iPhone 17 Pro. Game-Changer oder Marketing? Mein Praxis-Take aus den letzten Wochen Test mit Kunden-Jobs.
Apple hat ProRes RAW aufs iPhone 17 Pro gebracht. Klingt nach Hollywood in der Hosentasche. Ist auch keine reine Marketing-Lüge. Aber 95 Prozent von uns brauchen das Format nicht – und kaufen sich damit nur Probleme ein.
Ich zeig dir, wann ProRes RAW wirklich was bringt, wann es deinen Workflow rettet, und wann es nur deine Festplatte killt.
Was ProRes RAW eigentlich ist
ProRes RAW ist Apples Antwort auf Cinema-RAW-Formate. Im Unterschied zu normalem ProRes bleiben hier die rohen Sensor-Daten erhalten. Heißt: Belichtung, Weißabgleich, ISO – alles im Post anpassbar, ohne Qualitätsverlust.
Klingt wie das ultimative Tool. Ist aber komprimiert. Anders als RED-RAW oder ARRI-RAW belegt ProRes RAW deutlich weniger Speicher. Für ein RAW-Format ist es fast effizient.
Warum es jetzt im iPhone steckt
Apple hat das iPhone 17 Pro zum ersten Smartphone der Welt gemacht, das ProRes RAW direkt aus der Kamera schreibt. Final Cut Camera 2.0 unterstützt es nativ. Blackmagic Camera auch. DaVinci Resolve liest es direkt – kein Transcoding.
Dazu kommen zwei Features, die für mich fast wichtiger sind: Open Gate und Genlock. Open Gate nutzt den ganzen Sensor – nicht nur 16:9 oder 9:16. Heißt: einmal drehen, später entscheiden ob Reel, Querformat oder Quadrat. Genlock synchronisiert mehrere iPhones perfekt – Multi-Cam mit dem iPhone als A-Cam und B-Cam ist endlich realistisch.
Was ProRes RAW bringt – wenn du es brauchst
Drei Szenarien, in denen das Format alles verändert:
- Du drehst bei wechselndem Licht. Sonne kommt raus, Wolke schiebt sich davor. Mit ProRes RAW gleichst du das in DaVinci nachträglich aus, ohne dass das Bild auseinanderfliegt.
- Du hast Cinema-Anspruch. Werbefilm, Musikvideo, Doku mit Look. Hier kannst du Schatten-Detail rausholen, das in normalem ProRes längst weg ist.
- Du machst Multi-Cam mit Color-Match. Drei iPhones, leicht unterschiedliches Licht. Du gleichst alle drei in der Color-Stage perfekt an.
Hab ich selbst auf einem Test-Setup ausprobiert. Drei iPhones, ProRes RAW, Open Gate, Genlock. War tatsächlich beeindruckend. Der Color-Match in DaVinci ging spürbar schneller als ich es von normalem ProRes gewohnt bin.
Für wen es reine Spielerei ist
Hier kommt der unbequeme Teil. Die meisten Creator brauchen ProRes RAW nicht. Konkret:
- Talking-Head-Reels: ProRes HQ reicht. Die Belichtung ist meistens kontrolliert.
- Vlogs mit Standard-Setup: Zu viel Storage-Aufwand für minimalen Bild-Gewinn.
- Tutorials und Tipps-Content: Niemand sieht den Unterschied am Handy.
- Eventfilm in einem Raum mit fixer Beleuchtung: Kein Lichtwechsel, kein Vorteil.
ProRes RAW frisst Speicher. Eine Minute 4K ProRes RAW belegt rund 1,2 GB. Das macht 70 GB pro Stunde. Mein iPhone hat 1 TB. Klingt viel. Bei einem Tagesshoot mit Backup ist es weg.
Mein ehrlicher Praxis-Take
Ich hab das Format in den letzten Wochen im echten Workflow getestet – eigener Content, Test-Setups, ein Kunden-Job. Drei Erkenntnisse:
- Storage-Mathematik wird zur Nebenkostenrechnung. Externe SSDs werden Standard. Plane ein paar hundert Euro fürs Erweiterungs-Setup ein.
- Der Schnitt ist nicht langsamer – DaVinci packt das nativ – aber Color-Grading dauert bewusst länger, weil die Möglichkeiten größer sind. Heißt: Mehr Zeit pro Projekt.
- Für 80 Prozent meiner Aufträge bleib ich bei ProRes HQ. Die zusätzlichen 20 Prozent rechtfertigen ProRes RAW – aber nur dort, wo der Color-Anspruch hoch ist.
Open Gate ist der eigentliche Game-Changer
Wenn du nur eine Sache aus dem Final-Cut-Camera-2.0-Update mitnimmst, dann das: Open Gate. Du drehst einmal mit dem ganzen Sensor – und ziehst dann später vertikal für Reels, horizontal für YouTube, quadratisch für LinkedIn raus. Aus einem Take. Ohne Re-Shoot.
Das ist der ContentWerk-Workflow auf Steroiden. Wer als Selbstständiger Content für mehrere Plattformen produziert, sollte sich Open Gate diese Woche anschauen. ProRes RAW kann später kommen.
Was du stattdessen lernen solltest
ProRes RAW ist ein Werkzeug für Spezialfälle. Vorher kommen drei Dinge, die deine Bildqualität tatsächlich heben:
- Belichtung beim Drehen richtig setzen. RAW rettet keinen Anfänger-Fehler.
- Audio. Niemand schaltet wegen Bild ab. Wegen Sound schon.
- Konsistente Framing-Logik über alle Plattformen. Open Gate hilft dabei.
Wer diese Basics nicht hat, gewinnt mit ProRes RAW genau nichts.
Fazit
ProRes RAW aufs iPhone ist ein technisches Statement. Apple zeigt: Smartphone-Video kann Cinema. Stimmt sogar. Nur ist es nicht für jeden. Wenn du Kunden-Jobs mit Color-Anspruch machst, ist es ein Game-Changer. Wenn du Reels für deine Personal Brand drehst – bleib bei ProRes HQ und steck die Zeit ins Open-Gate-Setup.
Du willst lernen, wann du welches Format wählst – ohne stundenlang YouTube-Tutorials zu durchforsten? In der ContentWerk Community bauen wir genau diese Entscheidungen für Selbstständige nach. Dreh einmal, spiele dreimal aus.
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